intuitives Bogenschießen in Frankreich: Kiran / Foto: Castel Franc, ProvenceTir à l'arc in BonnieuxTir à l'arc intuitif en Provence (Agde), Foto: Castel Francintuitives Bogenschießen in Südfrankreich, Foto by: Castel Franc, Provencela nature en cible, le Thor/, Foto: Castel Franc, Provencenatürliches Bogenschießen in Frankreich, Foto: Castel Franc, Provence intuitives Bogenschießen in der Provence, Foto: Castel FrancPfeileköcher, intuitives Bogenschießen; Foto: Castel-Franc, ProvenceTir à l'arc bei Caumont, Provence - quel terrain!

Mit Pfeil und Bogen in der Natur unterwegs la nature en cible. "Die Natur im Ziel“, hinter dieser etwas doppelsinnigen Begriff verbirgt sich eine sehr schöne und abwechslungsreiche Sportart; Bogenschießen in Südfrankreich!

Die Idee, den Bogensport auszuüben, hatte ich in Deutschland schon lange. Sich auf ein Ziel konzentrieren, verbunden mit körperlicher Anspannung. Dann das Lösen der Sehne und völlige Entspannung, diese Kombination ist doch sehr reizvoll. Soweit das Bogenschießen eher eine Hallensportart ist, kam es für mich jedoch weniger in Frage. Zudem sollte die Sache nicht allzu technisch und streng sein.

Das "olympische" Bogenschießen, wie es im Fernsehen gezeigt wird, (mit seltsam aussehenden Stangen am Bogen, die als Stabilisatoren dienen, und einem Visier als Zielhilfe) ist ohne Zweifel interessant und anspruchsvoll. Meinerseits bestand aber die Befürchtung, damit in einem Verein auf das bloße Erzielen möglichst vieler „Ringe“ festgelegt zu werden. Deshalb wurde der Idee nicht länger nachgegangen. Bis es, mit dem Umzug nach Frankreich, zu einem dieser merkwürdigen Zufälle des Lebens kam:

Eine Bekanntschaft im neuen Sportstudio. Einige Kurse finden dort nur bei ausreichender Teilnehmerzahl statt, leider fehlte eine der Teilnehmerinnen stets am selben Wochentag. Als der Kurs deshalb auszufallen drohte, kam es zu der Nachfrage, warum sie Dienstags nie dort sei. «Dann bin ich immer draußen, beim Bogenschießen. Es macht großen Spaß! Außerdem ist mein Vater, Jean–Claude, der Präsident des Clubs, und da kann ich nicht fehlen», war die Antwort.

Bogenschießen – immer draußen? Das klang interessant...

Kurzerhand erfolgte die Einladung, demnächst einfach mitzukommen, um es selbst zu versuchen. Das Terrain sei nur wenige Kilometer entfernt gelegen, bei Caumont.

 Also zuckelte ich wenige Tage später mit Jean–Claude und seiner
 Frau in ihrem Auto gemütlich dorthin. Auf der Fahrt wunderte ich mich
 über die sehr einfachen Bögen, welche sie dabei hatten. Es waren an
 den Enden etwas abgeflachte und leicht konisch zulaufende Stäbe,
 die kaum eine Krümmung aufwiesen, und in der Mitte nur über eine
 kleine Kerbe als Pfeilauflage verfügten. 
 «Das sind Nachbauten alter englischer Langbögen», lautete die
 Erklärung. Diese Bögen würden meist aus einem durchgehenden
 Stück Eschenholz gefertigt, benötigten eine hohe Zugkraft und seinen
 sehr stark; im Übrigen der bevorzugte Bogentyp der beiden. Für mich,
 als Débutant, habe man etwas anderes dabei.

Alsbald kamen wir in Caumont an. Das Terrain, welches wir dort ansteuerten, begeisterte mich sehr. Durch einen kleinen Weinberg ging es auf ein urwüchsiges Grundstück, das sich hinter einer großen Wiese weit erstreckte.

Mit vielen alten Korkeichen, großen Ginsterbüschen und Zedernsträuchern darauf. Alles auf der Südseite eine Hügels gelegen – im Windschatten des Mistral, der an diesem Tag kräftig blies. Davon war hier aber nichts zu merken. Über dieser schönen Landschaft wölbte sich der wunderbar blaue Himmel, welchen der Mistral mit sich bringt.

Das Areal gehöre zu der alten „Chartreuse de Bonpas“ und umfasse über 100 Hektar, wurde mir mitgeteilt. Für Wanderungen und andere Sportaktivitäten sei zur allgemeinen Nutzung freigegeben. Der Verein habe hier für das Bogenschießen zwei Parcours angelegt, jeder sei etwa fünf Kilometer lang.  

«Parcours?» «Ja, einen mit Zielscheiben und einen mit 3-D-Zielen!»

Auch die Art des Bogenschießens gefiel mir sehr:

 Mir wurde ein "Recurve"-Bogen übergeben. Mit seinen nach vorne
 aufgebogenen Enden sah er aus, als müsse er "verkehrt herum"
 gespannt werden. Tatsächlich erwies sich das Aufziehen der Sehne
 mithilfe einer Spannschnur dann als einfach. Dazu gab es einige Pfeile,
 einen Unterarmschutz und ein Stück solides Leder für die Finger (denn
 die Sehne lasse sich ohne das Fingerleder nicht ziehen und sie schlage
 beim Schuss manchmal gegen den Arm). Mehr Material sei, außer
 einem Köcher, nicht nötig; Bogen und Pfeile stelle im ersten Jahr der Club, wurde mir erklärt. Während dieser Zeit könne man alle Arten von Bögen in verschiedener Zugstärke ausprobieren!

Weiterhin teilte Jean–Claude mit, dass hier auf technische Hilfsmittel für das Zielen völlig verzichtet werde.

«Geschossen wird gewissermaßen "aus dem Bauch heraus", rein intuitiv», hieß es. Den Arm, welcher den Bogen hält, müsse ich einfach auf das Ziel richten. «Als wenn du genau mit dem Finger darauf zeigst». Die Höhe des Pfeiles zum Ziel werde dann durch das Gehirn "erfühlt" und intuitiv ermittelt. «Wie beim Wurf einer Papierkugel in den Papierkorb», wobei es ja auch kein Visier gebe. «Es ist auch vergleichbar mit dem Wurf beim Basketball». Mit etwas Übung funktioniere es sehr gut, wenn man einige Regeln beachte. Vor allen Dingen komme es auf eine gute Körperspannung an – die müsse man trainieren.

Schön einfach also, theoretisch. Als absoluter Anfänger musste ich die ersten meiner auf eine normale Zielscheibe geschossenen Pfeile dennoch relativ häufig suchen gehen. Sie trafen das Ziel nicht immer und bohrten sich, meist dahinter, in die Grasnabe. Zu meiner Freude beteiligten sich an der Suche stets alle der anwesenden Schützen (denen im Übrigen auch nicht jeder Schuss gelang). 

Bereits nach kurzer Zeit ging es nun wirklich ins Gelände. Hier wurde schnell deutlich, warum mir vorher geraten wurde, feste Schuhe anzuziehen...

Den Hügel herauf und den Hügel herab waren die Ziele aufgestellt (um möglichst unterschiedliche und natürliche Situationen zu schaffen). Diese stellten sich als Abbildungen von Tieren verschiedenster Art und Größe dar. Abhängig war ist auch die Distanz der Ziele, zwischen 10 und über 40 Metern.

Die Regeln des Bogenschießens im Gelände sind leicht zu verstehen:

Der Parcour besteht aus ca. 25 Stationen. Dort schießt jeder Schütze zwei Pfeile ab, die in ihrer Reihenfolge eine unterschiedliche Wertung haben. Zudem sind auf den Zielen sind drei verschiedene Bereiche markiert, welche ebenfalls verschieden bewertet werden.

 Bei 3-D-Zielen existiert einen sehr kleiner (innerer)
 Zielkreis, der für den ersten Pfeil 10 Punkte und 8
 Punkte für den zweiten bringt. Darum befindet sich ein
 etwas größerer Kreis, dessen Treffer mit 8 Punkten
 bewertet werden, das restliche Ziel mit 5 Punkten.
 Auf diese Art von Zielen werden die beiden Pfeile aus
 derselben Entfernung geschossen, die je nach Größe
 der Objekte zwischen 10 und 40 Metern variiert.
 (Zum Vergrößern des Fotos hier klicken).

 Auf flächige Zielscheiben werden die beiden Pfeile
 hingegen aus verschiedenen Entfernungen abgegeben.
 Hier zählt der erste Treffer im Zielkreis 20, der zweite
 Treffer 15 Punkte. Auf dem nicht markierten "Körper"
 des Zieles sind es 15 bzw. noch 10 Punkte.
 (Zum Vergrößern des Fotos hier klicken).
 Dass der Zielkreis in sich selbst noch eine Unterteilung
 hat, spielt für diese Bewertung keine Rolle, Treffer in
 den inneren Kreis werden mit einem "+" aufgeschrieben.
Die Anzahl dieser "+" ist nur dann entscheidend, wenn am Ende eines Parcours zwei (oder mehrere) Schützen mit einer identischen Punktzahl vorhanden sind.

Sehr erstaunt war ich darüber, wie genau einige der Anwesenden den inneren der beiden Zielkreise selbst auf größere Distanz sicher treffen. Die oben abgebildete Zielscheibe ist zwar etwa einen Meter breit. Auf die Entfernung von 40 Metern schrumpft der Zielkreis aber auf die gefühlte Größe einer Zigarettenschachtel!

Foto by Castel Franc, Vergrößerung durch "click in" - wer sieht den Pfeil???

Überraschend war auch, wie schnell die Zeit (von über zwei Stunden) auf diese Weise verging. Und welcher Muskelkater sich am nächsten Tag bemerkbar machte! Dennoch: wer diese Sportart einmal ausübt, den lässt sie kaum wieder los. Dazu kommt, dass man, insbesondere auf Turnieren, viele nette Leute kennen lernt. Und gleichzeitig die schönsten Gegenden der Provence entdeckt!

Turniere finden dabei an den ungewöhnlichsten Orten statt. Sei es, dass ein vom Bogenvirus infizierter Besitzer eines Weingutes auf seine Domaine einlädt. Oder dass der Club von Agde dort ein Turnier am Meeresstrand durchführt...

Der Club "Tir Arc Nature Instinctiv" (T.A.N.I.) in Roquebrune veranstaltet am 16. September sogar ein Turnier auf dem wunderschönen Fluss Argens – per Kayak!

Falls Sie in ihrem Urlaub selbst einmal das Bogenschießen ausprobieren wollen, melden Sie sich doch bei uns. Wahrscheinlich lässt sich dazu ein Termin bei einem der örtlichen Vereine vereinbaren.

Wer sehen möchte, was ein guter Schütze mit einem einfachen Langbogen alles anstellen kann, der sollte sich schließlich noch dieses Video ansehen:



Und nicht zuletzt:
Nach dem Bogenschießen schmeckt ein kleines Bierchen besonders gut – nicht wahr, mein Freund? (für das Foto bitte hier klicken ;-)

 

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Kommentare

Sehr geehrte Damen und Herren,

meine Frau und ich sind auch im Thema "traditionelles Bogenschiessen" und Holzbogenbau 'unterwegs' - und lieben Frankreich.

So auch dieses Jahr ab dem 06. Juni werden wir wieder mit unserem Wohnmobil nach Frankreich, u.a. in die Provence aufbrechen. Durch Zufall habe ich Ihren Blog und den Bericht über das traditionelle Bogenschiessen auf den beiden 3D Parcours im Internet gefunden.

Ich habe mal recherchiert und folgenden Verein dazu gefunden: http://natureencible.eg2.fr/index.html.

Ist dies der von Ihnen erwähnte Verein? Und wäre es theoretisch möglich, die Parcours als Gastschützen zu besuchen? An wen könnten wir uns denn wenden?

Meine Frau spricht gut französisch, ich leider dagegen eher wenig.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns weiterhelfende Informationen zukommen und wir in Frankreich unsere Pfeile fliegen lassen könnten.

Für mehr Informationen über uns und unsere Vita:
www.pfaddesbogens.de
www.bogenpaedagogik.de
www.lederkunsthandwerk.de

Vielen Dank für Ihre Bemühungen im Voraus.

Schöne Grüße aus München

Robert Kraus und Ondina Leichtenstern

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